BILDER: ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg

12. bis 14. November 2015

Zeit im ephemeren Werk von Andy Goldsworthy: die Rolle der fotografischen Dokumentation


Andy Goldsworthy ist ein britischer Land Art Künstler, geboren 1956, der sich seit seiner Collegezeit (1976-1978) fast ausschließlich der Land Art widmet. Die Kunstwerke entstehen oft an seinem Wohnort in Penpont, Schottland, und sind äußerst ortsgebunden, denn sein künstlerisches Vorgehen setzt sehr gute Kenntnis der Landschaft voraus. Er arbeitet auch in anderen Gegenden, vorher begibt er sich aber auf die Forschungsreise in die Natur. Ihm geht es darum, sich mit den vor Ort gefundenen natürlichen Materialien auseinanderzusetzen. Für seine kleinformatigen ephemeren Skulpturen nimmt er Holz, Blätter, Wasser im festen und flüssigen Aggregatszustand, Steine, die von Gezeiten oder Wasserströmen weggetragen werden, sowie Sand, Schlamm oder Erde und übergibt sie im Rahmen des Kunstwerkes dem natürlichen Kreislauf. Die Kunstwerke sind oft äußerst kurzlebig und dabei kann nicht vom performativen Charakter die Rede sein, weil der Künstler während des Schaffens den Betrachter ausschließt.
Wie kann man die ephemere Land Art und die fotografische Dokumentation des Prozesses hinsichtlich der Zeitlichkeit zusammenführen? Zeit erweist sich sowohl bei ephemeren Kunstwerken als auch bei Fotografie als wesentlicher Faktor. Im Falle Goldsworthys stellt sich die Frage, ob man überhaupt einen Moment hat, in dem das Kunstwerk fertig ist bzw. sein Höhepunkt erreicht wird. Fotografie als Medium arbeitet mit Zeitcodierung, ihr Bezug zur Realität wird ständig diskutiert.
Im Rahmen des Vortrags möchte ich auf die Frage eingehen, inwiefern Goldsworthys Werke als „ephemer“ bezeichnet werden können und welche Rolle hierfür die Fotografie spielt. Die Fotografien der Land-Art-Werke können nur ein Mittel sein, die Zeit-basierte Kunst für ein breiteres Publikum zugänglich zu machen, durch museale Präsenz zu verewigen. Oder sie kann in die Grenzen des Zeit-basierten Kunstwerks mit einbezogen werden, markiert dabei bestimmte Zäsuren innerhalb seiner zeitlichen Struktur und bedeutet den Übergang von einer skulpturalen räumlichen Arbeit zur performativen Form.


Yana Belskaya

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