BILDER: ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg

12. bis 14. November 2015

Bilderfahrung – Zeiterfahrung


Die aus bildanthropologischer Perspektive postulierte Verschwisterung des Bildes mit seinem den Entstehungsort des Bildes erzeugenden Subjekt (u. A. BELTING), verweist auf ein Bildwerden. Denn der Blick erzeuge „die Bilder im Intervall zwischen ‚hier‘ und ‚dort‘“ [Belting, Hans: Blickwechsel mit Bildern. Die Bilderfrage als Körperfrage. In: Ders. (Hg.): Bilderfragen. Die Bildwissenschaften im Aufbruch. Wilhelm Fink Verlag. München. 2007. S. 59.], zwischen dem blickenden Körper und dem Trägermedium. Es ließe sich von einer räumlichen wie zeitlichen Verschiebung sprechen. Als Zeitspanne verstanden verweist das Intervall auf das Prozessuale einer Bildwerdung, auf dessen zeitliche Dimension, die sich um ein Erfahren von Bildlichkeit spinnt. Verstehen wir Bilder als Akte (SATRE), so sei nichts per se Bild, sondern von einer Zuschreibung von Bildlichkeit abhängig. Bildlichkeit kristallisiert in diesem Sinne erst in einem Nacheinander aus. Ein Im-Bild-Sehen gehe einem Bild-Sehen zeitlich gesehen voraus (WALDENFELS). Zwischen Existenz und Wahrnehmung von Bildmedium und Abgebildetem verorten sich jene Zuschreibungen von Bildlichkeit, die sich als Zeiterfahrung kennzeichnen lassen. Bilderfahrung, die ich als sinnliches und sinngebendes Dazwischen, zwischen Subjekt und Bild begreife, ist daher als genuin zeitlich zu verstehen (MALDINEY). Mit dem phänomenologischen Erfahrungsbegriff nach Waldenfels und seiner Figur der Diastase verdeutlicht sich eine zeitliche Verschiebung der Erfahrung. Denn was „uns auffällt und überrascht, kommt stets zu früh, während unsere Antwort stets zu spät kommt, […] gemessen an einer diachronen Rhythmik der Erfahrung, die jede Synchronie ausschließt.“ [Waldenfels, Bernhard: Von der Wirkmacht und Wirkkraft der Bilder. S. 50.] Bilderfahrung ist nicht nur als Prozess, sondern im Verweis auf bereits ‚erfahrene Erfahrung’ auch im Sinne eines Bestandes (DEWEY) zu verstehen. Das Sedimentierte einer Erfahrung ist zwingend als oszillierend zu bezeichnen. Im Erfahren von Bildern können neue (Bild)erfahrungen entstehen und bereits ‚erfahrene Erfahrungen’ präsent werden. Ein Erfahren von Bildern (innerer wie äußerer) verweist auf unterschiedliche Ebenen von Zeitlichkeit. Erstens auf ein Jetzt, ein Präsens, dass sich auf die Fähigkeit des Bildlichen bezieht, etwas im Bild da sein zu lassen (HUBER/ WALDENFELS). Zweitens auf eine Wiederholung, einem zeitlichen Zurückgreifen und Präsent-Werden von Vergangenem, dass sich als „Erscheinung eines Nicht-Jetzt im Jetzt“ [Huber, Hans Dieter: Bild Beobachter Milieu. S. 29.] (HUBER) betiteln ließe. Und drittens auf ein nach vorne Gerichtetes, ein Zukünftiges, in dem Bilder befähigt seien zu zeigen, was es geben könne (GEBAUER).


Stefanie Johns: Seit 2014 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg im Arbeitsbereich Bildende Kunst / der Forschungs- und Le[ ]rstelle – Kunstpädagogik und visuelle Bildung | Promotionsprojekt zur Bilderfahrung | eigene künstlerische Ausstellungspraxis in Hamburg. 2007-2013 Studium der Fächer Germanistik, Erziehungswissenschaft und Bildende Kunst im Rahmen des Lehramtsstudiums (Gymnasium) an der Universität Hamburg und der Hochschule für bildende Künste Hamburg, Masterarbeit zum Thema: „Bilder erfahren. Korrelation interdisziplinärer theoretischer Ansätze“ (2013).

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