BILDER: ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg

12. bis 14. November 2015

Die nostalgische Moderne Eugène Atgets – eine anachronistische Dokumentation


Eugène Atget: Archäologe, Sammler und Fotograf des vieux Paris, dies sind nur einige Titel, welche an die berühmte Persönlichkeit und das fotografische OEuvre Atgets herangetragen wurden. Dem Schaffen und Werk Atgets sind besondere zeitliche Spannungen inhärent, die im Folgenden beleuchtet werden. Das Schaffen Atgets reflektiert auf verschiedensten Ebenen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Es handelt sich um einen Blick aus der gegenwärtigen „Moderne“ in die Vergangenheit, welche dadurch konserviert und in die Zukunft überführt wird. Anhand dieses Werkes lässt sich daher über die werkimmanente Betrachtung des OEuvres hinaus, die Epochenkonstruktion des Mittelalters im 19. Jahrhundert und ihre Inszenierung untersuchen. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit und ihrem Verschwinden ist kein singuläres Phänomen, auch andere Künstler und Literaten setzten sich mit dieser Thematik auseinander, so etwa Charles Meryon und Charles Baudelaire.
Als Atget 1857 geboren wird, befindet sich Paris bereits seit fast fünf Jahren in einem dynamischen Prozess der Modernisierung und Transformation. Nachdem er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts endgültig zur Fotografie hinwendet, fokussiert er seinen Blick vorwiegend auf einen bestimmten Teil der Stadt: das mittelalterliche Paris. Doch nicht nur auf motivischer Ebene geht Atget auf die Thematisierung von Zeitlichkeit ein, sondern auch auf materieller. Entscheidend ist hier nicht nur, dass er Motive der Vergangenheit wählt und dokumentiert, sondern auch die Art seiner Inszenierung und Konstruktion dieser Vergangenheit. Durch die Nutzung einer Großformatkamera lässt sich die eigentlich moderne Technik der Fotografie – im Sinne des technischen Fortschritts – in der atget’schen Manier als ebenso antiquiert und überholt beschreiben wie seine Motive. Die Dualität der Zeitlichkeit verschärft sich, indem das "Alte" in einem veralteten Verfahren fotografiert wird.


Fabian Röderer, geboren 1992 studierte von 2011 bis 2014 an der Ruhr-Universität Bochum Kunstgeschichte und Romanische Philologie Französisch, mit einem Schwerpunkt auf Literatur. Seit 2014 studiert er an der Universität Hamburg den Master Kunstgeschichte. Während seines Studiums fokussierte er sich vor Allem auf die französische Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, Kunstkritik, Geschichte der Fotografie, Geschichte des Faches sowie auf Museumsgeschichte und –entwicklung. Diese Interessen wurden u.a. durch ein Galeriepraktikum in Paris gefördert. Sein Bachelorstudium schloss er mit einer Studie zu Auguste Rodins Portraits von Rose Beuret ab.

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