BILDER: ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg

12. bis 14. November 2015

Along the way: Fragmentierung und Rekonstruktion der Zeiterfahrung in den Arbeiten Richard Longs


Der britische Künstler Richard Long (geb. 1945) geht in der Natur. In abgelegenen Regionen wandert er nach festgelegten Routen für eine Stunde, für einen Tag oder einen Monat. Die ritualisierten walks bilden den immateriellen Kern der Werke des Land-Art-Künstlers; Sie brachten ihm die Bezeichnung walking artist ein. Ausgangspunkt aller Arbeiten Longs ist somit ein nur ihm zugänglicher Prozess. Im Kontrast dazu stehen die statischen Medien – Fotografien, Texte und Karten –, die Long wählt, um seine sensuellen, räumlichen und zeitlichen Eindrücke zu vermitteln.
Jedem walk ist eine einzige Arbeit gewidmet. Die hierfür verwendeten indexikalischen Dokumentationsformen sind nicht als Relikte oder rein illustrative Dokumente zu verstehen. Als integrale Bestandteile der künstlerischen Konzeption sind sie vielmehr inszenierte Kunstobjekte mit einem medienspezifischen Charakter. Diese Medialität legt Richard Long dem Rezipienten bewusst offen, um damit auf die Differenz zwischen Realität und Dokument zu verweisen. Der Künstler konfrontiert den Betrachter mit Fragmenten seiner subjektiven Erfahrungen in Raum und Zeit. Die Leerstellen zwischen den dokumentierten Zeitpunkten überlässt er der Imagination.
Im Rahmen des Vortrags sollen die Wechselbeziehungen zwischen der Fragmentierung der zeitgebundenen walk-Erfahrung im Produktionsprozess und deren Rekonstruktion im Wahrnehmungsvorgang anhand von Arbeiten, die einen „Medienmix“ zwischen Fotografien, Texten und Karten verwenden, untersucht werden.


Sophie Rüth, Tübingen

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