BILDER: ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg

12. bis 14. November 2015

Knoten in der Timeline. Zur zeitlichen Struktur bildnerischer Praktiken


Bilder als Artefakte gehen aus Prozessen hervor, die in mehrfacher Hinsicht bildend genannt werden können. In einem responsiven Geflecht aus Handeln und Wahrhemen formen sich Bildner und Gebilde wechselseitig. Ein in dieser Weise gestaltendes (also Bild erzeugendes) Subjekt macht mitunter Erfahrungen mit der jeweils spezifischen Medialität konkreter Bildwerdungen. In der Wiederholung sich ausprägende bildnerische Praktiken sind selbst Produkt und zugleich Ausgangspunkt von bildenden Transformationen. Ein über die Zeit entstehendes Werk könnte dann als Analogon eines subjektiven ästhetischen Bildungsprozesses betrachtet werden.
Dabei ist das Bild nicht wie ein Flugschreiber zu denken, der die Prozessdaten synchron zum Vorgang aufzeichnet. Vielmehr schreibt sich die Weise, in der es am performativen Prozess seiner Entstehung beteiligt ist, fortlaufend in der Bildwerdung mit ein – und zwar in Form von Spuren, die u.a. das Material, das Setting, die Wahrnehmung und die spezifische Körperlichkeit einer bildnerischen Praxis in der Darstellung hinterlassen. Einige dieser Spuren wirken unmittelbar, andere durchlaufen sinnliche, kognitive oder motorische Übersetzungen, bevor sie früher, später oder gar nicht im Bild präsent werden. Diese unberechenbare Latenz widerspricht einer linearen zeitlichen Logik, die bildenden Prozessen oftmals unterstellt wird. Ursache-Wirkungs-Relationen sind im Bild sowohl kausal als auch temporal komplex verschränkt, sodass davon erst nachträglich etwas sichtbar – oder zumindest aufgespürt – werden kann.
Anhand von Bild-/Bildner-Beispielen sowie schematischen Annäherungen will ich Bilder (vornehmlich am Beispiel der Malerei) als ›Schaufenster‹ in eine mehrdimensionale zeitliche Struktur in den Blick nehmen. Dabei stütze ich mich auf theoretische Positionen u.a. der Phänomenologie (Waldenfels; Ricoeur), Philosophie (Krämer), Bildungstheorie (Kokemohr; Koller) und Kunstpädagogik (Pazzini; Sabisch).


Ole Wollberg ist Promotionsstipendiat an der Fakultät für Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg. Dort forscht und lehrt er in der Arbeitsgruppe »[FuL] – Forschungs- und Le[ ]rstelle. Kunstpädagogik und Visuelle Bildung«. Derzeit arbeitet er an einer Dissertation über Repräsentationen impliziten Wissens in der Malerei. Bis 2013 studierte er Erziehungswissenschaft, Kunst und Romanistik an der Universität Hamburg und an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Seit 2012 arbeitet er als Lehrbeauftragter im Fach Kunst an Hamburger Gymnasien. Arbeitsschwerpunkte: Bildungstheorie, Ästhetische Forschung, Tacit Knowing, Präsenz und (Re)Präsentation.

Uni HH Logo