BILDER: ZEITZEICHEN UND ZEITPHÄNOMENE

Eine trans- und interdisziplinäre Tagung an der Universität Hamburg

12. bis 14. November 2015

Intermediale Strategien zur Darstellung von Zeit bei Hiroshi Sugimoto


Geht man mit Medientheoretikern wie Dieter Mersch davon aus, dass Medien hinter dem, was sie repräsentieren, in der Regel verschwinden, bedarf es besonderer, künstlerischer Strategien, die das Medium selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Nach Sybille Krämer kann das Prinzip der „aisthetischen Neutralität“ von Medien gebrochen werden, wenn ein Medium in ein anderes Medium übertragen wird, mittels intermedialer Strategien. Durch die Überlagerung und Verschränkung von Medien entstehen Brüche, Transformationen und Paradoxa, die eine Medienreflexion ermöglichen. Am Beispiel der Fotografien des japanischen Künstlers Hiroshi Sugimoto soll gezeigt werden, dass dies insbesondere für die zeitlichen Implikationen der dort auftretenden Medien gilt.
Sugimotos Serien Theaters (1975-2001) und Drive-In Theaters (1993-1994) zeigen Kinosäle und Autokinos, in deren Zentrum immer eine „leere“ Leinwand steht, da die Fotografien über die gesamte Dauer einer Filmvorführung belichtet wurden. Die Dioramas (1975-1999) zeigen auf den ersten Blick Bilder von seltenen Tieren und urzeitlichen Lebewesen in ihrem natürlichen Lebensraum. Ähnlich verhält es sich bei den Fotografien der Serie Wax Museums (1994-1999), die scheinbar berühmte Persönlichkeiten zeigen. In der Serie Portraits (1999) erweitert Sugimoto dieses Verfahren und inszeniert Wachsfiguren wie Portraitgemälde. Während in den Theaters die gesamten bewegten Bilder eines Films im unbewegten fotografischen Bild abgebildet werden, inszeniert Sugimoto in den anderen Serien Wachsfiguren und Dioramen so, dass sie wie Abbildungen lebendiger Menschen und Tiere aus einer Zeit, in der es noch gar keine Fotografie gab, wirken.
Die Darstellung von Zeit in den von Sugimoto überlagerten Medien wird selbst zum Thema der Arbeiten und soll anhand von Theorien des Films, wie der Apparatus-Theorie, sowie Theorien der Fotografie aus semiotischer und phänomenologischer Richtung analysiert werden. Dabei soll gezeigt werden, wie sich semiotische und phänomenologische Ansätze im Konzept der Intermedialität vereinen.


Idis Hartmann (*1983 in Ulm) studierte Jura und Kunstgeschichte an der Universität Tübingen sowie Kunst- und Filmwissenschaften an der University of Sydney in Australien. 2010 war sie wissenschaftliche Hilfskraft am Kunsthistorischen Institut Tübingen. Von 2010 bis 2013 war sie am ZKM | Museum für Neue Kunst, Karlsruhe kuratorisch und im Bereich Publikationen tätig. Von 2013 bis 2015 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin von Peter Weibel am ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe. Derzeit ist sie kuratorische Assistentin des künstlerischen Leiters Peter Weibel der lichtsicht 5 Projektions-Biennale in Bad Rothenfelde.

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